Rede bei der Flaggenhissung am 10.08.2019

Heute durfte unser Vorsitzender seine erste Rede bei der Flaggenhissung der Regenbogenfahne vor den Stadthaus 1 in Münstter halten. Traditionell wird damit auch der Start der Pride Weeks eingeleutet.

Hier nun seine Rede zum Nachlesen:

Sehr geehrte Menschen,

ich möchte Sie und Euch ebenfalls recht herzlich bei der traditionellen Flaggenhissung begrüßen.

Wir sind Münster! So das diesjährige Motto des CSD. Wir sind ebenfalls ein Teil von Münsters Stadtgesellschaft und das wollen wir in diesem Jahr auch deutlich Zeigen. Denn wir leisten unseren Beitrag in der Gesellschaft auf verschiedenste Art und Weise, auch durch ehrenamtliches Engagement in Vereinen, Organisationen, Glaubensgemeinschaften und Parteien. Dieses Engagement ist wichtig. Denn viele kommen erst dadurch in Kontakt mit queeren Menschen und erkennen, dass wir doch nicht so verschieden sind und der einzige Unterschied in der Partnerwahl besteht. Ich nenne dies Aufklärung durch ehrenamtliches Engagement. Die Begegnung im Alltag hilft Vorurteile abzubauen.

Auch wenn Einige behaupten, nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partner, sei alles tutti und wir können uns auflösen, ist weiterhin der Gesetzgeber in der Pflicht, für eine rigorose und komplette Gleichstellung zu sorgen und die Ungleichbehandlung in Gesetzen und Verordnungen zu beseitigen, wie man sie zum Beispiel noch im Adoptions- oder dem Personenstandsrecht findet.

Konversionstherapien, die sogenannte Homoheilung, sollen nicht nur von den Kassen nicht mehr bezahlt werden, Ärzte sollen diese nicht mehr anbieten dürfen. Mehr noch: sie gehören als schwere Körperverletzung unter Strafe gestellt. Das Gleiche gilt für Familien, die ihre Kinder ins Ausland verschleppen, um sie dort heilen zu lassen. Sie gehören wegen Gefährdung des Kindeswohls bestraft. Diese Therapien machen die Menschen kaputt und nicht selten treiben diese viele Betroffene in den Suizid. Menschen, die damit Geld verdienen, gehören mit aller Härte strafrechtlich verfolgt, den Ärzten unter ihnen die Zulassung entzogen und ein Berufsverbot erteilt.

Selbst wenn dies alles geschieht und umgesetzt wird, muss es auch bei den Menschen in den Köpfen ankommen. Man kann da noch Vieles in Gesetze packen, aber wenn es bei den Menschen nicht in den Köpfen ankommt, wird es immer Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten geben.

Dieses Beispiel zeigt auch deutlich, dass Gleichstellung und Gleichbehandlung nicht nur ein Thema für LSBTIQ*Menschen ist, sondern eines, was alle angeht. Unsere gesamte Gesellschaft muss endlich auch mental im 21. Jahrhundert ankommen.