Latvijos Prezidentes interviu Spiegeliui

SPIEGEL:  Was hat Lettland den europäischen Partnern zu bieten?

                                   Vike-Freiberga: Mit Ausnahme der russischen Küstenstreifen um
                                   Kaliningrad und St. Petersburg wäre die Ostsee nach einem Beitritt
                                   der baltischen Staaten ein EU-Binnenmeer, und die Union kann dann
                                   besser kontrollieren, was im Ostseeraum vor sich geht. Wenn die
                                   baltischen Staaten zur EU gehören, garantiert das auch Stabilität
                                   und demokratischen Fortschritt in dieser Region.

SPIEGEL: Was bietet Lettland seinen Partnern in wirtschaftlicher Hinsicht?

                                   Vike-Freiberga: Arbeitskräfte. Hier hat sich ein Pool von gut
                                   ausgebildeten Wissenschaftlern und Technikern herausgebildet. Bis
                                   zum Zusammenbruch der Sowjetunion ist dieses Talentreservoir im
                                   Umfeld von Industrie und militärischer Forschung entstanden und
                                   liegt nun brach. Auch in unserem Erziehungswesen werden wir
                                   besonderes Gewicht auf Informatik und Hochtechnologie legen. ... ...



... ... SPIEGEL: Lettlands Beziehungen zu Russland waren stets sehr ngespannt. Haben sie sich unter dem Präsidenten Putin sogar noch verschlechtert?

                                   Vike-Freiberga: Ich habe kein Messgerät für den Grad der
                                   Spannungen. Natürlich haben wir darauf gehofft, dass es unter Putin
                                   besser würde. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Es hat gerade
                                   einen weiteren Anschlag auf unsere Botschaft in Moskau gegeben.
                                   Das spricht nicht gerade für eine friedliche Haltung. Wir hoffen, dass
                                   die russische Regierung diese Anschläge verurteilt und eine
                                   Untersuchung einleitet.

SPIEGEL: Können Sie sich denn wirklich vorstellen, dass die russische Armee erneut Ihr Land besetzt?

                                   Vike-Freiberga: Ich habe eine ausgezeichnete Vorstellungsgabe.
                                   Russland ist äußerst unberechenbar. Das Land ist nicht sehr stabil.
                                   Seine Verankerung als Demokratie ist eher fragwürdig. Wirtschaftliche Sicherheit ist nicht in dem Maße gegeben, das man sich wünschen würde. Wir sagen ja gar nicht, Russland könnte dies oder jenes tun. Aber die simple Tatsache der Unberechenbarkeit macht mir Angst.

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