K: Deine Hände sind im Bild.

K: Wir sind träge geworden.

B: Geld verdienen wir mit mir.

K: Die profane Welt da draußen hat keine Bedeutung.

B: Damit schwindet der Glaube an den Erfolg unserer Allianz.

K: Das ist unsere Berufung.

B: Das ist unser Hobby. Mich würde interessieren, ob wir darin mit einem ambitionierten Modelleisenbahner konkurrieren könnten. Damit meine ich Einsatz, Fleiß, Sachkenntnis und Ernsthaftigkeit.

K: Wir spielen nicht mit vorgefertigten Modellen, sondern mit einem Entwurf. Das ist unser Ort, mit dem Monopol auf Sachkenntnis, Ernsthaftigkeit und andere Tugenden.

B: Es wäre schön, wenn unsere Bemühungen nicht nur in meiner Tätigkeit in Konkurrenz zu allem Profanen stünden.

K: Da gibt es eine Welt von konkurrierenden Spinnern.





K: Wir sollten den gleichen Arbeitsanzug tragen. Der Einteiler unterstreicht unsere Zusammengehörigkeit.

B: Bei der letzten Ausstellung hat man mich gefragt, wann der Künstler komme, und ob ich bei ihm festangestellt sei.

K: Haben wir gelacht. Da kannst du sehen, wo der Künstler anfängt.





K: Von dir ist nur der Bauch zu sehen, der Handwerkerbauch.

B: Du zeigst meinen Kopf nicht?

K: Du bist beschäftigt - mit Polieren, Schrauben, Spachtel säubern - das alles knapp unter der Gürtellinie, deine Hände sind nicht im Bild.

B: Ich bin nicht sicher, ob diese Arbeit der richtige Anlaß für die Arbeit ist.

K: Dein Bauch ist ein Platzhalter. Beim Drehen füllen wir ihn, und was zuviel ist, schneiden wir einfach ab.

B: Großartig, ich bin mein eigener Statist. Was sieht man von dir?

K: Den Kopf, natürlich.

B: Du sprichst?

K: Nicht mehr als du. Wir machen einen Stummfilm.

B: Da wird ja richtig was los sein.

K: ... Musik dazu.

B: Ich singe?

K: Nein!





K: Ich möchte einen richtigen Komponisten. Der soll unser Gespräch auf einem Klavier begleiten.

B: Wir machen nicht alles selbst?

K: Deshalb lassen wir die Improvisation in einem Turm.





B: Glücklicherweise wirst du nicht nach Stundenlohn bezahlt.

K: Ich werde gar nicht bezahlt.

B: Für so einen Einfall brauchst du lange.

K: Ich sorge für einen Zustand, in dem mir etwas einfallen kann. Das dauert so lange, wie es dauert.

B: Biertrinken, Fernsehen und ab und zu mit Daumen und Mittelfinger auf die Augäpfel drücken.

K: Niemand interessiert sich wirklich dafür, wie du arbeitest, wenn es glatt ist, ist es gut. Aber du wirst ehrlich bewundert, wenn es nach viel aussieht. Wie ich arbeite, kann ich nicht beschreiben, und ich verbessere mich auch nicht durch Wiederholung. Also laß mir Bier und Fernsehen.





K: Wir sitzen uns gegenüber und halten auf unsicherem Boden feindselige Balance.

B: Ich dachte, ich stehe.

K: Du stehst, und ich sitze. Du baust uns eine Bühne, ich rekonstruiere dieses Theater. Eine Inszenierung mit provisorischem Charakter.

B: Wir bauen eine Baustelle, hinten auf und vorne auf ...

K: ... nichts ist endgültig, aber mit zweifarbigen Rauten gleichmäßig überzogen ...

B: ... und dann streichen wir sie auch noch mit einem Muster an. Rauten sind Arbeit, aufwendig und langwierig.

K: Was heißt das?

B: Viel Arbeit, sage ich.

K: Bequemlicher Bremsklotz. Ständig geht dies nicht, jenes nicht, und das ist auch zu schwer.

B: Man tut, was man kann.

K: ... und meine Ideen verklumpen zu kleinen Quadern.

B: Lieber einen Baustein als eine Baustelle bauen. Weniger Aufwand, weniger Lagerungsprobleme und weniger Erklärungsbedarf.

K: Wen interessiert die Interpretation eines Befehlsempfängers?





K: Dennoch, während du werkelst, und die Dinge ihren vorbestimmten Lauf nehmen, scheint mir das Tun so selbstverständlich.

B: Umsicht, Weitsicht, Vorsicht und Voraussicht. Bisher ging noch immer etwas daneben.

K: Wer redet von deiner Ungeschicklichkeit? Mich inspiriert, dich dabei zu kontrollieren, wie du meinen Absichten Schritt für Schritt Form verleihst.

B: Ein bißchen Ergebenheit gehört schon dazu. Es sind diese kleinen Details - das Material wehrt sich nicht, aber es läßt sich auch nicht zwingen.





B: Die ständige Kontrolle macht mir das Arbeiten schwer. Kein Mensch arbeitet gleiche Teile wie Einzelstücke. Man kann nicht den Spachtelrest beim nächsten verwerten oder mit dem Pinsel eine Fehlstelle beim vorletzten nachziehen.

K: Du bist kein Anstreicher.

B: Das sieht keiner, aber der Druck ist groß.

K: Sehen ist uninteressant. Man muß es glauben. Wer weiß schon, wie genau du das alles nimmst?

B: Du, es war ja auch deine Idee.





B: Mein Vermögen ist nun mal die Grundlage deiner Überlegungen. Ohne mich läuft nichts, vergiß das nicht.

K: Solltest du ausfallen, wird mir schon etwas Passendes einfallen.

B: Gut, damit können wir gleich anfangen. Ich höre auf.

K: Wer aufhört, entscheide ich.

K: Es ist nicht hilfreich, schon im Vorfeld aller Überlegungen durch faulen Pragmatismus torpediert zu werden.

B: Ich torpediere nicht, ich korrigiere. Planvolles und systematisches Vorgehen verhindert am Ende eine Enttäuschung. Das Wichtigste sind solide Vorarbeiten.

K: Jetzt geht’s los.

B: Was nützen Einfälle, die du nicht bezahlen kannst, oder die in deinem Wahn von Leichtigkeit und Eleganz gegen die Physik verstoßen?

K: Nachdem wir erkannt haben, daß zwischen einer zu lackierenden Tür und der Gestaltung eines Werkes kein prinzipieller Unterschied besteht, verzichten wir auf alle Visionen und bewerben uns für einen Preis in der Kategorie: Seriöse Verarbeitung und Ökonomisches Arbeiten.

B: Darf ich dich daran erinnern, daß deine Vision von Werk ihren Ursprung in meiner Arbeit hat?

K: Was tätest du denn gerne?

B: Bretter lackieren, einfarbig.





K: Ich mag Collagen, man nimmt einen Schnipsel, und ab dann läuft deine Zeit. Das Machen ist schön.

B: ... anstrengend und ungesund.

K: Du bist ein Pingel, deswegen findest du kein Maß.

B: Gebe ich mir weniger Mühe, siehst du die Reinheit der Idee gefährdet.

K: Ah, nein!

B: Oh, doch!

K: Kleine Macken verletzen deine Eitelkeit. Du müßtest dich mal sehen, wie du um deine Arbeit tänzelst, wenn sie dir gelungen scheint.

B: Kleine Macken stören mich nicht, das ist Handwerk. Wer hat denn meine Arbeit so heikel gemacht, daß mir bei jedem Aufbau der Schweiß ausbricht?

K: Das liegt daran, weil du im Grunde das Konzept nicht verstanden hast.

B: Ach, aber wenn am Schluß alles schön aussieht, dann teilen wir uns den Genuß.

K: Richtig, nur während ich mich über die Zeit von den meisten Werken distanziere, bleibst du stolz auf deine Lackierung.

B: Du hast ein gestörtes Verhältnis zu geschaffenen Werten.

K: ... und wie sie reden, diese Techniker, von Farben, Verdünnungen, Verbindungen und Stoffen. Hauptsache, die Fugen schließen für die Ewigkeit. Dazu streicheln ihre feingliedrigen Hände die Luft und die Augen leuchten. Man bekommt richtig Hunger dabei.

B: Schon gut.