Offener Brief an Ulrich Peters, Generalintendant des Theater Münster

Offener Brief an Ulrich Peters, Generalintendant des Theater Münster

Lieber Ulrich Peters,
ich bin bestürzt über Deine Äußerungen zur „Freien Szene“, die die MZ am Dienstag (11.6.13) veröffentlicht hat. „Klas und Rohleder kritisierten, das Stadttheater würde sich mit der freien Szene „entsolidarisieren“. Intendant Ulrich Peters schoss gestern scharf zurück: ‚Wir müssen nicht noch mehr schlechte Schauspieler und Tänzer fördern’, sagte er. Die freie Szene müsse zeigen, wo sie besser sei als das Theater.“
Gestern hat mich das sprachlos gemacht. Deine Wertung ist sachlich falsch. Und was in meinen Augen noch schlimmer ist, ist die Haltung, die aus Deinen Äußerungen spricht: sie ist arrogant und verletzend.
Eine – für Münster dringend notwendige – gemeinsam zu führende qualifizierte Diskussion über die Formen und Funktion ästhetischer Praxis in und für unsere Stadtgesellschaft wird so tendenziell unmöglich. Den von Dir angelegten Wertekanon halte ich für diskussionswürdig angesichts der allgemeinen Entwicklung der europäischen Theaterlandschaft in den letzten 30 Jahren.
Ich bin davon überzeugt, dass wir einen gemeinsamen Diskurs der Akteure des kulturellen Feldes auf Augenhöhe benötigen. Und dass es in der Zukunft darauf ankommen wird, partnerschaftlich kooperative Praktiken zu initiieren und aufzubauen. Die Umsetzung dieser beiden Ziele, die nicht nur in meiner Agenda absolute Priorität haben, wird durch Deine aktuellen Äußerungen gefährdet.
Wir brauchen einen Klimawandel.
Bestes von
Ludger Schnieder