Thomas Ostermeier in “nachtkritik.de”

“Besonders verheerend ist im Theatermilieu eine Entwicklung der letzten zehn Jahre. Unter dem Vorwand, für freie unabhängige Strukturen zu sein, werden die Akteure der unterschiedlichen Milieus aufeinandergehetzt. Fürsprecher des freien oder Off-Theaters behaupten, dass sie das viele Geld, das die Institutionen verschlingen, viel effizienter einsetzen. Dabei ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie sich so zu Apologeten des neoliberalen Zeitgeists machen: Von uns bekommt ihr mehr Kunst für weniger Geld. Dass sie dadurch bei vielen Stadtkämmerern oder Kulturpolitikern offene Türen einrennen, ist auch klar.
Freie Theaterstrukturen klingen zunächst jünger, wilder, romantischer, schlichtweg attraktiver. Aber Gelder, die ich als Politiker für ein Projekt, eine Truppe oder eine zeitlich begrenzte Theaterunternehmung zur Verfügung stelle, kann ich, wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, für andere Künstler einsetzen oder gänzlich in meinem Etat einbehalten. Dieser neoliberale Traum von Flexibilität bedeutet aber, dass die unterstützten Projekte kurzfristig Erfolg haben müssen.”

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