{"id":696,"date":"2020-07-11T22:04:39","date_gmt":"2020-07-11T20:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/?p=696"},"modified":"2020-07-22T21:28:41","modified_gmt":"2020-07-22T19:28:41","slug":"was-mulleimer-und-kuhlschranke-unterscheidet-abfall-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/2020\/07\/11\/was-mulleimer-und-kuhlschranke-unterscheidet-abfall-verstehen\/","title":{"rendered":"Was M\u00fclleimer von K\u00fchlschr\u00e4nken unterscheidet \u2013 Abfall  verstehen"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was hast Du heute schon weggeschmissen: Eine Verpackung, eine Bananenschale oder ein kaputtes Haargummi? All diese Dinge liegen jetzt am gleichen Ort: dem M\u00fclleimer. Aber sind diese Gegenst\u00e4nde dann eigentlich entsorgt, oder eher: wie geht &#8220;wegschmei\u00dfen&#8221;? Was konkret mit unseren Gegenst\u00e4nden passiert, damit sie im n\u00e4chsten Moment zu M\u00fcll werden, beleuchtet dieser Beitrag. Abfallvermeidung beginnt genau dann, wenn wir diese Momente abwehren. <\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Abfall ist \u00fcberall. Er hat sich in unsere Leben geschlichen, wir sind mit ihm gro\u00df geworden und erst beim Versuch ihn zu vermeiden, f\u00e4llt uns auf, wie fest sein Platz in unserer Mitte ist. Wir haben ganze Orte nur f\u00fcr M\u00fcll und Dinge, die es noch werden sollen, errichtet.In jeder guten K\u00fcche, sei sie noch so klein oder professionell, stehen K\u00fchlschr\u00e4nke und M\u00fclleimer meist beieinander. Gemein haben beide, dass wir in ihnen unsere Dinge aufbewahren. Der feine Unterschied liegt darin, dass im K\u00fchlschrank steht, was wir noch gebrauchen wollen und im M\u00fclleimer liegt der gesamte Rest. Beiden Orte trennen meist nur wenige Meter und doch ganze Welten. Denn wann etwas von dem einen in den anderen Ort gelangt, entscheidet die Person, die sich in der K\u00fcche befindet \u2013 also ich. Oder Schimmel, wenn das Pesto nicht so lange gehalten hat, wie ich es erwartet habe. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong> Zum Entsorgen braucht es zwei zentrale Bausteine: die Entscheidung, etwas wegzuschmei\u00dfen und einen Ort, an den Entsorgtes gelegt wird.  <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was in den M\u00fclleimer kommt, sagt bereits sein Name. Doch was M\u00fcll <em>ist<\/em>, ist unklar. Bei Unklarheiten hilft ein vertrauensvoller Blick hin\u00fcber in die Gesetzestexte. Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz kann grunds\u00e4tzlich jeder bewegliche Gegenstand zu M\u00fcll <em>werden<\/em>. Der Gegenstand muss durch die besitzende Person zu M\u00fcll <em>gemacht<\/em> werden. Das trifft selbstredend nicht auf alle Dinge dieser Welt zu. Gef\u00e4hrden Stoffe die Umwelt oder die menschliche Gesundheit, sind sie auch ohne die Definition der besitzenden Person zu entsorgen. F\u00fcr den Alltag braucht es demnach keine blinde Zerst\u00f6rungswut, um aus einem Handy Elektroschrott zu zaubern, die blo\u00dfe Umbenennung reicht. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>M\u00fcll ist eine Frage des Empfindens und der Ordnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erste Versuche, M\u00fcll als solchen zu definieren,\nwurden in den 50er Jahren in der Soziologie unternommen: Dinge, die nicht am\nrichtigen Ort sind, wirken m\u00fcllig. Es wirkt unaufger\u00e4umt und schmutzig, wenn\nDinge an Orten liegen, an die sie nicht geh\u00f6ren. Das schimmelig gewordene Pesto\nim K\u00fchlschrank wirkt unhygienisch und hat aus meiner Sicht das Recht weiter im K\u00fchlschrank\nzu stehen verloren. Der Schimmel f\u00fchrt zum Impuls, das Pesto los zu werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p>\u201eWenn Du etwas nur isst, um es nicht wegzuschmei\u00dfen, bist Du der M\u00fclleimer.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-699\" width=\"223\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image.png 240w, http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-225x300.png 225w\" sizes=\"(max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><figcaption>Ein Klassiker. Eigenes Foto<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Es ist keine Abfallvermeidung, Dinge nicht wegzuschmei\u00dfen, die M\u00fcll geworden sind. Abfallvermeidung verhindert genau diesen Moment des \u201ezu M\u00fcll werden\u201c. Die urspr\u00fcngliche Ordnung im K\u00fchlschrank, nur genie\u00dfbare Lebensmittel aufzubewahren, kann wiederhergestellt werden durch den nahe liegenden M\u00fclleimer. Zielsicher gelangen die Reste in die Biotonne und das Glas in die Sp\u00fcle. Eigentlich liegt das Pesto jetzt aber immer noch in der Wohnung, nur nicht mehr im K\u00fchlschrank. Ist es jetzt bereits weggeschmissen?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Konkret schmei\u00dfen wir Dinge nicht weg. Wir geben ihnen nur einen neuen Ort.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vom kleinen wei\u00dfen Eimer neben dem K\u00fchlschrank\nzur gro\u00dfen M\u00fclltonne vor dem Haus \u00fcber die weiten Verwertungswege der\nAbfallwirtschaft. Es gibt immer wieder einen neuen richtigen Ort f\u00fcr die Dinge,\ndie wir nicht mehr haben wollen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten: Die\nAbfallwirtschaft. So wie Abfall durch die besitzende Person definiert wird, wird\nes ein Rohstoff auch.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Unser Abfall \u2013 Sie nennen es Rohstoff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trash-2497056_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-700\" width=\"381\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trash-2497056_1920-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trash-2497056_1920-300x200.jpg 300w, http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trash-2497056_1920-768x512.jpg 768w, http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trash-2497056_1920.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 381px) 100vw, 381px\" \/><figcaption>So oder so \u00e4hnlich gelangen Stoffe in die Wege der Abfallwirtschaft. Quelle: Pixabay<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Unsere Gegenst\u00e4nde sind alle noch da. Zumindest\neine ganze Zeit lang \u2013 bis sie verrotten oder weiterverarbeitet werden, aber es\nbleiben stets Reste. Von den rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik, die zwischen 1950\nund 2015 produziert wurden nicht einmal 10% recycelt (Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung). Noch\nin Benutzung, abgelagert in der Umwelt oder verbrannt macht insbesondere den\nk\u00fcnstlichen Stoff gewonnen aus Roh\u00f6l zu einem Problem. In M\u00fcllverbrennungsanlagen\nder verwertenden Unternehmen werden unsere gesellschaftlichen Reste in Energie\numgesetzt, f\u00fcr deren Verbrennung es \u00fcberhaupt einen unfassbar hei\u00dfen Ofen\nbraucht, der viel Energie ben\u00f6tigt. Bei der \u201eWaste-to-Energy\u201c-Methode entstehen\ngiftige Schlacken, Aschen und Gase, da all die hereingegebenen Stoffe nur in\neine andere chemische Form umgewandelt werden; eine finale Beseitigung ist\nnicht gegeben. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Abfalltrennung wirkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt regionale Unterschiede. Momentan\nwerden beispielsweise von den in Deutschland anfallenden getrennten Verpackungsabf\u00e4llen,\n50 Prozent recycelt, was j\u00e4hrlich rund 1,45 Mio. Tonnen ausmacht. Dies umfasst auch\nexportierte Abf\u00e4lle, deren Recycling nicht abschlie\u00dfend sichergestellt werden\nkann (Wilts, 2018). Ebenso viele Tonnen werden energetisch verwertet \u2013 also\nverbrannt und nicht zu untersch\u00e4tzen sind die Stoffe, die es gar nicht erst in\ndie M\u00fclleimer schaffen. Wir k\u00f6nnen nichts so richtig loswerden. Unsere Dinge existieren\nweiter. Sie sind noch da, nur woanders. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>M\u00fclleimer: Der Ort, um unliebsame Dinge loszuwerden. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Beschr\u00e4nkungen durch die\nCorona-Pandemie wurden artig leere Weinflaschen in farbiger Trennung vor volle Glascontainer\naufgereiht. Die Sperrgutabholung wurde in manchen St\u00e4dten ausgesetzt. Kreative\nL\u00f6sungen wurden gefunden: Zu verschenken Kisten wurden aufgestellt M\u00f6belst\u00fccke\nhaben im Viertel teilweise ein neues Leben erhalten, denn interessant ist, dass\ndie einmal zugeschriebene M\u00fclleigenschaft einer Person von einer anderen Person\nwieder aufgehoben werden kann. Ungeduldigere Mitmenschen haben ihren M\u00fcll in\nder Zeit geschlossener Wertstoffh\u00f6fe wild entsorgt und in die Umwelt\ngeschmissen. Der M\u00fcll liegt jetzt im Wald, er ist nicht weggeschmissen. Wir\nk\u00f6nnen nichts wegschmei\u00dfen. Wir k\u00f6nnen es nur weitergeben, einlagern,\nwiederverwenden, schmelzen oder verbrennen. Es gibt kein weg, nur ein woanders.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hast Du heute schon weggeschmissen: Eine Verpackung, eine Bananenschale oder ein kaputtes Haargummi? All diese Dinge liegen jetzt am gleichen Ort: dem M\u00fclleimer. Aber sind diese Gegenst\u00e4nde dann eigentlich entsorgt, oder eher: wie geht &#8220;wegschmei\u00dfen&#8221;? Was konkret mit unseren Gegenst\u00e4nden passiert, damit sie im n\u00e4chsten Moment zu M\u00fcll werden, beleuchtet dieser Beitrag. 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