Die Stadt Münster hat ein „Konzept zum zukünftigen Umgang mit Kriegerdenkmalen im öffentlichen Raum“ entwickelt. Die zahlreichen Kriegerdenkmale entlang der Promenade sollen mit Infostelen historisch-kritisch eingeordnet werden. Im Zentrum der Debatte steht dabei das sogenannte Train-Denkmal am Ludgerikreisel, mit dem auch an Soldaten erinnert wird, die an Verbrechen in den deutschen Kolonien beteiligt waren. Nach einem Beschluss des Stadtrates soll auf der Stele zu diesem Denkmal künftig der Satz stehen: „Die Stadt Münster bekennt sich zur deutschen Verantwortung für koloniales Unrecht und den Völkermord an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908. Münster, 2022.“
Archiv des Autors: gleitz
Stadtarchiv bescheinigt Lüderitz und Woermann „rassistische Gesinnung und aggressive kolonialistische Haltung“
Auf einem neuen Portal informiert das Stadtarchiv zu Kolonialen Räumen in Münster. Als koloniale Spuren im öffentlichen Raum werden dabei auch die Straßen Woermannweg und Lüderitzweg thematisiert. Neben Informationen zu den beiden Namensgebern wird ebenso auf die Geschichte der Benennung während der NS-Zeit eingegangen. Schließlich heißt es dort: „Aus heutiger Sicht besteht über die rassistische Gesinnung und eine aggressive kolonialistische Haltung der beiden Kolonialunternehmer kein Zweifel.“ Zu den Geschäftspraktiken der beiden Kaufleute, die in Münster mit einem Straßennamen geehrt werden, schreibt das Stadtarchiv: „Woermann organisierte die Verwaltung vor Ort. Auf diese Weise verkaufte er minderwertige Ware in der westafrikanischen Kolonie [Kamerun] und bezog im Gegenzug günstig Produkte wie Kautschuk oder Schwarzpulver. Eine ähnliche Rolle nahm der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz im heutigen Namibia ein.“
Grüne setzen sich für Umbenennung von neun belasteten Straßen in Münster ein
Die Westfälischen Nachrichten 25. Januar 2022 berichten, dass sich der Kreisverband der Grünen aktuell für eine Umbenennung von neun Straßen in Münster einsetzt, die nach einer Überprüfung durch das Stadtarchiv als NS-belastet eingestuft werden. Folgende Straßennamen sollen umbenannt werden: Admiral-Scheer-Straße, Admiral-Spee-Straße, Gorch-Fock-Straße, Otto-Weddigen-Straße, Skagerrakstraße, Manfred-von-Richthofen-Straße, Ostmark- und Tannenbergstraße. SPD und CDU wollen die Debatte jedoch ergebnisoffen führen und streben eine breite Debatte an.
Unveröffentlichter Leserbrief
zum Artikel „Soldaten und Schlachten im Visier“ in den Westfälischen Nachrichten vom 21. Februar 2022
Wenn man den Blick bei der historisch-wissenschaftlichen Analyse der Straßennamen von 1933 bis 1945 auf das ganze Stadtgebiet von Münster erweitert, stößt man u.a. auch auf die Straßennamen „Woermannweg“ und „Lüderitzweg“ in MS-Gremmendorf. Beide Straßennamen wurden 1939 vergeben. Damit sollte in typischer nationalsozialistischer Erinnerungskultur der Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) gedacht werden.
Sowohl Adolph Woermann wie auch Adolf Lüderitz beuteten die damalige Kolonie rücksichtslos aus und scheuten nicht vor Zwangsarbeit, Ausbeutung und Betrug an der einheimischen Bevölkerung zurück. Die Gier nach immer größerem Profit mündete dann 1904 im Herero-Aufstand, bei dem sogenannte‚ deutsche Schutztruppen‘ bis zu 80.000 einheimische Herero und 20.000 Nama gnadenlos töteten.
Im Mai 2021 (nach Verhandlungen des CDU-Politikers Ruprecht Polenz) erkannte die deutsche Bundesregierung dies als Völkermord an. Personen, die mit einem Völkermord im Zusammenhang stehen, sollten keine Straßennamen gewidmet sein!
Wer wir sind
Hervorgehoben
Wir sind eine nachbarschaftliche Initiative im Münsteraner Stadtteil Gremmendorf.
Hier gibt es zwei Straßen, deren Namen einen Bezug zur deutschen Kolonialzeit haben:
den Woermannweg und den Lüderitzweg.

Wir laden zu einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Straßennamen ein und möchten auf dieser Website Informationen zu den Namensgebern sowie zum historischen Hintergrund der Straßenbenennung geben.
Beide Straßennamen sehen wir als historisch schwer belastet an: Adolf Lüderitz und Adolph Woermann waren an Kolonialverbrechen zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches beteiligt. Die Straßenbenennung erfolgte zudem in der Zeit des Nationalsozialismus und im Sinne der NS-Ideologie. Daher setzen wir uns für eine Umbenennung beider Straßen ein.
Zur aktuellen Diskussion um die beiden Straßennamen, über deren Umbenennung am 3. Juni 2025 in der Bezirksvertretung Münster Süd-Ost entschieden werden soll, finden Sie hier in der Debatte häufig genannte Argumente und Gegenargumente.