{"id":736,"date":"2020-10-01T17:15:18","date_gmt":"2020-10-01T15:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/?p=736"},"modified":"2020-10-01T17:16:04","modified_gmt":"2020-10-01T15:16:04","slug":"enkeltaugliche-und-zukunftsfahige-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/2020\/10\/01\/enkeltaugliche-und-zukunftsfahige-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Enkeltaugliche und zukunftsf\u00e4hige Wirtschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Regionalgruppe M\u00fcnsterland Gemeinwohl-\u00d6konomie<\/p>\n\n\n\n<p>Am 24. Juni dieses Jahres setzten M\u00fcnsters Kommunalpolitiker einen Meilenstein. Weitgehend unbemerkt von der weiten \u00d6ffentlichkeit k\u00f6nnte dieser Tag der Anfang eines Wandels gewesen sein \u2013 des Wandels der Stadt hin zu einem anderen Wirtschaftssystem: der Gemeinwohl-\u00d6konomie. Denn an diesem Tag beauftragte der Haupt- und Finanzausschuss die Verwaltung, diese andere Art zu wirtschaften auf st\u00e4dtischer Ebene voranzubringen. Ein st\u00e4dtisches Unternehmen soll die Kriterien der Gemeinwohl-\u00d6konomie f\u00fcr sich analysieren, au\u00dferdem soll sich die Stadt generell mit diesen Kriterien befassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-1024x768.jpg\" alt=\"\" data-id=\"737\" data-full-url=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/?attachment_id=737\" class=\"wp-image-737\" srcset=\"https:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-300x225.jpg 300w, https:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-768x576.jpg 768w, https:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/muenster.org\/zero-waste-muenster\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Daur-GWO-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Einer der Sprecher der Regionalgruppe M\u00fcnsterland ist Tobias Daur. Die Prinzipien der GW\u00d6 passen zu denen von Zero Waste. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas war ein gro\u00dfer politischer Erfolg\u201c, sagt Tobias Daur. Er ist einer von zwei Koordinatoren der Regionalgruppe M\u00fcnsterland Gemeinwohl-\u00d6konomie, die seit 2017 besteht. Vor dem Beschluss sprach er mit mehreren Politikern, erkl\u00e4rte ihnen die Ziele der Gemeinwohl-\u00d6konomie (GW\u00d6): Kooperation statt Konkurrenz, eine Art des Wirtschaftens, die nicht nach Profit als Selbstzweck strebt, sondern nach dem gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Gemeinwohl. Eine neue Idee, weder Kapitalismus noch Kommunismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Daur ist selbst Unternehmer, betreibt mit seiner Firma \u201eLands\u201c gr\u00fcnes Webhosting und ber\u00e4t gr\u00fcne Firmen zu Design, Kommunikation und Gemeinwohl-\u00d6konomie. 2012 erlebte er Christian Felber, den Erfinder des GW\u00d6-Prinzips, auf der Messe \u201eKarmakonsum\u201c. Und war begeistert: \u201eIch dachte: Endlich macht jemand das systematisch, was du irgendwie immer schon gemacht hast\u201c, erinnert er sich.<\/p>\n\n\n\n<p>2014 war er an der Gr\u00fcndung von \u201eM\u00fcnster nachhaltig\u201c beteiligt. Anschlie\u00dfend nahm er mit Petra Teitscheid, Professorin an der FH M\u00fcnster, die Sache mit der Gemeinwohl-\u00d6konomie in Angriff. Wie k\u00f6nnte man sie bekannter machen und in M\u00fcnster vorantreiben? Den beiden war klar: Es m\u00fcssen Pionierunternehmen her, die sich bilanzieren lassen. Denn die Gemeinwohl-Bilanz, die die Finanzbilanz der Unternehmen abl\u00f6st, ist das Herzst\u00fcck der GW\u00d6. Teitscheid organisierte ein Seminar an der FH, und Studierende legten 2016 damit los, die ersten Unternehmen zu bilanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei zogen sie die GW\u00d6-Matrix zu Rate. Wie verh\u00e4lt sich das Unternehmen gegen\u00fcber Mitarbeitenden, Kunden, der Standortgemeinde? Wie ist es um die Menschenw\u00fcrde etwa in der Lieferkette bestellt? Wie um die \u00f6kologische Nachhaltigkeit und wie um Transparenz und Miteinscheidung? Zahlreiche Fragen wie diese, detaillierter aufgedr\u00f6selt, werden f\u00fcr die Bilanzierung ber\u00fccksichtigt. Sieben Unternehmen machten mit, \u201e von sehr \u00f6ko bis konventionell\u201c, wie Daur sagt. 2017 erhielten die Firmen ihre Zertifikate, und einige Aktive gr\u00fcndeten die Regionalgruppe. Derzeit sind etwa 40 Menschen in der Regionalgruppe aktiv. Einige sind wie Daur Unternehmer, andere am Thema Interessierte Privatleute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aktiven m\u00f6chten nun zum einen das Konzept bekannter machen, etwa durch St\u00e4nde auf Messen und durch Workshops, die Daur anbietet. Zum anderen ist da die politische Arbeit, die zum ersten gro\u00dfen Erfolg mit dem Beschluss vom Juni gef\u00fchrt hat. Den hatten CDU und Gr\u00fcne gemeinsam eingebracht. \u201e\u201cDie GW\u00d6 ist kein linkes Projekt\u201c, betont Daur. Und: \u201eWir m\u00f6chten die Zahl der Unternehmen vergr\u00f6\u00dfern, die mitmachen.\u201c Inzwischen wurden \u00fcber die Regionalgruppe insgesamt 13 Unternehmen zertifiziert; weitere in der Region haben es \u00fcber andere Anbieter in Angriff genommen. Zu diesen Pionierunternehmen geh\u00f6ren die Cibaria-Vollkornb\u00e4ckerei, das Kulturquartier, die Ray Group (Geb\u00e4udereinigung und -management) und der Raumausstatter Hegemann aus B\u00f6sensell. Warum sollte sich eine Firma zertifizieren lassen? \u201eDas wirkt unwesentlich nach au\u00dfen, aber wesentlich nach innen\u201c, sagt Daur. Also: Der Werbeeffekt ist derzeit seiner Meinung nach noch gering. Aber: \u201eIntern wird der Anspruch deutlich, etwas Sinnvolles zu tun.\u201c Und das w\u00fcnschen sich doch die meisten Angestellten \u2013 dass ihre Arbeit sinnvoll ist. So werde das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohin soll das f\u00fchren? Letztendlich: \u201eDie Unternehmen und der Staat sollen so ver\u00e4ndert werden, dass sie enkeltauglich und zukunftsf\u00e4hig werden\u201c, sagt Daur. Die Wirtschaftsweise in den L\u00e4ndern des globalen Nordens m\u00fcsse so umgestellt werden, dass sie GW\u00d6-kompatibel werde. \u201eDas bedeutet Postwachstum, Regionalisierung und eine Umstellung des Konsums\u201c, z\u00e4hlt Daur auf. \u201eDie Politik muss die Regeln so ver\u00e4ndern, dass es sich nicht mehr lohnt, ein b\u00f6ses Unternehmen zu sein.\u201c Ein Wirtschaften nach den GW\u00d6-Prinzipien m\u00fcsse belohnt, ein gegenteiliges sanktioniert werden. Firmen sollten k\u00fcnftig nach dem Stakeholder-Prinzip arbeiten: also zum Wohle aller, die irgendwie mit dem Unternehmen verbunden sind \u2013 und nicht nur der Besitzer, der Shareholder. \u201eDie EU ist da erheblich weiter als Deutschland\u201c, berichtet Daur. Und sie sei global ein so gro\u00dfer Player, dass sie internationale Vertr\u00e4ge im Sinne der GW\u00d6 umgestalten k\u00f6nne. Die Regionalgruppe arbeitet daran, dass es auch im M\u00fcnsterland vorangeht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grundlage der Gemeinwohl-\u00d6konomie ist Christian Felbers gleichnamiges Buch von 2010. Generell geht es um ein Wirtschaftssystem, das so aufgebaut ist, dass Unternehmen beg\u00fcnstigt werden, wenn sie gemeinwohlorientiert arbeiten. Ob sie das tun, wird durch die Gemeinwohl-Bilanz festgestellt. Sie soll in der GW\u00d6 die Finanzbilanz als bisherige Hauptbilanz abl\u00f6sen. Die Unternehmen, die am besten abschneiden, sollen dann etwa bei \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen, bei Steuern oder Z\u00f6llen bevorzugt werden. Ziel und Zweck der unternehmerischen T\u00e4tigkeit ist in der GW\u00d6 die Verbesserung des Gemeinwohls, nicht das Streben nach Gewinn wie im aktuellen Wirtschaftssystem. Zum Gemeinwohl geh\u00f6ren Werte wie Menschenrechte, Demokratie, \u00f6kologische Nachhaltigkeit und Transparenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Felbers Buch kann in der Stadtb\u00fccherei M\u00fcnster ausgeliehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/web.ecogood.org\/de\/muensterland\/\">https:\/\/web.ecogood.org\/de\/muensterland\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Regionalgruppe M\u00fcnsterland Gemeinwohl-\u00d6konomie Am 24. Juni dieses Jahres setzten M\u00fcnsters Kommunalpolitiker einen Meilenstein. 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