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Vom Sinn und Unsinn der Wertstofftonne in Münster

Seit kurzem ist sie neu in Münster – die Wertstofftonne. Ihre Einführung wurde stadtweit groß beworben, damit alle wissen, dass der ‚gelbe Sack‘ in Münster passé ist. Ist die Wertstofftonne in Münster aber ausnahmslos ein Grund zur Freude?

Zunächst müssen wir auf die rechtlichen Grundlagen eingehen und uns die Fragestellen, welche Entsorgungssysteme es in Münster auf Grund von bundesweit gültigen Gesetzen einerseits und wegen des städtischen Abfallwirtschaftskonzepts andererseits gibt. Zunächst gab es – wegen bundesweiter Vorschriften – den ‚gelben Sack‘, der bereits länger in der Kritik stand, weil in diesen nur Verpackungsmaterialien aus Kunststoff und/oder Metall mit dem sogenannten ‚grünen Punkt‘ entsorgt werden durften, nicht aber stofflichidentische Abfälle, die nicht als Verpackungsmaterial gedient hatten. Dieser Widerspruch sollte durch die Einführung einer Wertstofftonne aufgehoben werden. Der Gedanke dahinter ist gänzlich nachvollziehbar: Gleiches Material in dieselbe Tonne.
Vergessen wird aber, dass jeder Landkreis oder jede kreisfreie Stadt die Verpflichtung hat, ein Abfallwirtschaftskonzept zu erstellen – Münsters Abfallwirtschaftskonzept von 2016 ist dabei ziemlich vorbildlich!

Durch das Abfallwirtschaftskonzept verfügten die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) bereits seit Jahren über eine Wertstofftonne, die bloß nicht so genannt werden durfte: die schwarze Tonne. Verarsche? Gar nicht! Zu den Anlagen der AWM verfügen nämlich über etwas ganz Tolles: eine eigene Mechanisch-biologische Restmüllbehandlungsanlage, kurz MBRA. Durch diese Anlage werden seit einiger Zeit fast alle Abfälle aufgearbeitet, wobei die ‚Wertstoffe‘ von der Anlage separiert werden. Im Abfallwirtschaftskonzept werden Bio- und Grünabfälle, Restabfälle, Sperrmüll & Gewerbe- und Baustellenabfälle ausdrücklich als Abfallarten genannt, die in der MBRA aufgearbeitet werden.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Abfall ein Geschäft ist wie jedes andere auch – die AWM verdienen daran und mit ihr die Stadt Münster als ihre Eigentümerin; dieser Handel kommt der Öffentlichkeit dadurch finanziell zu Gute. Deswegen wäre es empfehlenswert, wenn die Privathaushalte und Unternehmen in Münster ihre Abfälle in die schwarze Tonne geben – der Erlös hilft nämlich der öffentlichen Hand. Nun stellt sich aber die Frage, warum dies im Falle des ‚gelben Sacks‘ oder der neuen, sie ersetzenden Wertstofftonne nicht der Fall ist. Der Unterschied besteht schlicht darin, dass die gelben Säcke in der übergroßen Mehrheit des Stadtgebiets (wegen einer laufenden Konzession) nicht von den AWM, sondern von einem Privatunternehmen abgeholt und in Wert gesetzt werden. Ein solches Unternehmen hat keinen öffentlichen Auftrag im Sinne der dauerhaften Sicherungder öffentlichen Daseinsfürsorge, sondern interessiert sich nur für den Profit – unser Müll ist deren Kohle! Wenn Privathaushalte und Unternehmen in Münster also etwas für das Gemeinwohl bedeuten wollen, entsorgen sie ihren ‚gelben Sack‘-Müll (oder künftig Wertstofftonnenmüll) über die Restmülltonne.

Was passiert aber mit den aussortierten ‚Wertstoffen‘? Auf der Internetseite der AWM heißt es: „Die Wertstoffe werden zur weiteren Verwertung ausgeschrieben und von den beauftragten Unternehmen stofflich bzw. hochwertig energetisch verwertet.“ In Klartext: Ein Teil wird als Ressource weiter verwendet, ein anderer Teil landet in der Verbrennungsanlage. Wem also nicht nur die Finanzierung des Gemeinwohls, sondern auch das Klima am Herzen liegt, gibt seine Abfälle in Münster in die Restmülltonne, aber nur die, die nach bewusst gelebter Abfallvermeidung überhaupt noch anfallen!

Die Produktion von neuen Wertstofftonnen hätten wir uns aber aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes ruhig sparen können..