Bildungsinitiative
Antikoloniales Lehren und Lernen
Wir werden es wagen die Zukunft zu erfinden.
Thomas Sankara
Die Bildungsinitiative Afrika checken steht in direkter Nachfolge zum ehemaligen Verein Checkpoint Afrika (2007-2023), möchte aber dessen langjährige antirassistische Arbeit internationalisieren. Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht die Zusammenarbeit mit einer kenianischen Universität oder Fachhochschule, um gemeinsam innovatives, empowerndes und frei zugängliches Bildungsmaterial (OER) für die antikoloniale und antirassistische Bildungspraxis zu erstellen. Als Grundlage dazu und als Leitlinie für die geplante kenianisch-deutsche Zusammenarbeit ist Frantz Fanons Aktivistische Theorie als verbindende Einheit von radikaler Theorie und revolutionärer Praxis im Hinblick auf das aktuelle afrikanische Bildungswesen von zentraler Bedeutung.
Fanons Vermächtnis und Aktualität
Frantz Fanon (1925-1961), einer der bedeutendsten und einflussreichsten Symbolfiguren des 20. Jahrhunderts, war ein revolutionärer Arzt, Psychiater, Politiker, Schriftsteller und Widerstandskämpfer. Als Martinikaner * und Franzose mit afrikanischen Vorfahren hatte er selbst prägende und traumatisierende Erfahrungen mit dem französischen Kolonialrassismus gemacht.
Fanon ist 27 Jahre alt, als er im Jahr 1952 den weltberühmten Klassiker „Schwarze Haut, weiße Masken“ veröffentlicht – eine psychologische Studie, in der er die perfide Destruktivität des europäischen Kolonialrassismus seziert. Dabei schildert er eindrücklich, wie sich dieser tagtäglich in der Lebensrealtität von Betroffenen manifestiert und deren Psyche und Seele traumatisiert. Sein visionäres und radikales Denken zum antikolonialen Befreiungskampf offenbart sich in seinem letzten Buch „Die Verdammten dieser Erde „(1961). Es gilt bis heute weltweit als revolutionäres Manifest für den antikolonialen Befreiungskampf und als Vorlage zur Bekämpfung der radikalen Unmenschlichkeit europäischer Kolonialherrschaft.. Fanons brillante und epochale Studien, die er primär auf den afrikanischen Kontinent ausgerichtet hatte, sind auch heute noch von aktueller politischer Brisanz. Dem Visionär und Revolutionär Frantz Fanon, seinem progressiven Geist, seinem kompromisslosen Kampf gegen die kolonialrassistische Unmenschlichkeit Europas und seiner ungebrochenen Zuversicht, sowie der zeitlosen Bedeutung seiner Werke ist die kommende kenianisch-deutsche Zusammenarbeit gewidmet.
Frantz Fanon‘s legacy: A Guide to Liberation Today (1:17 Min.)
Vorbilder aus Afrika
Als Ausgangspunkt für die pädagogische Zusammenarbeit ist ein Revival des Schulprojektes „Global Heroes – Heldinnen und Helden aus Afrika“ geplant. Das Projekt verbindet Kunst mit Politik und kann aufgrund seines interdisziplinären Ansatzes auf vielfältige Weise für die Zusammenarbeit wiederbelebt werden. Im Mittelpunkt stehen charismatische und historische Persönlichkeiten aus afrikanischen Ländern, die mir ihrem visionären Denken und Handeln der Weltgemeinschaft konstruktive und zukunftsfähige Lösungen zur Bewältigung globaler Herausforderungen vorgegeben haben. Die Projektarbeit setzt auf die Vielfalt positiver Gegenbilder, um die vorherrschende abfällige sowie abwertende Sicht auf den afrikanischen Kontinent und seine Darstellung als dystopischen Ort grundlegend zu verändern.*
Gegen irrationale Menschenbilder und destruktive Weltsichten
Fakt ist: Das Image Afrikas und die Wahrnehmung seiner Menschen sind im kollektiven Bewusstsein Europas im Kern ungebrochen negativ geblieben. Das Fatale ist, dass dieses stigmatisierende Negativimage als Folge der 600 Jahre andauernden kolonialrassistischen Vorherrschaft und ihrer destabilisierenden Identitätspoltik bis heute weltweit verbreitet ist. Der Videobeitrag „Warum halten sich Stereotype über Afrika so hartnäckig?“ sucht nach Gründen für die Fortexistenz und Wirkmächtigkeit kolonialrassistischer Bilder und enttarnt diese als einseitig und falsch.
Wie tief kolonialrassistische Menschenbilder, Denk- und Verhaltensmuster immer noch in der Weltpolitik verankert sind, verdeutlichen die unzähligen menschenverachtenden und demagogischen Hassreden des aktuell amtierenden US-Präsidenten Donald Trump über Afrika und der afrikanischen Diaspora. Unverkennbar und unverhohlen zeigt sich in ihnen sein Festhalten an der kolonialrassistischen Ideologie der „White supremacy“ (Weiße Vorherrschaft) , die, obwohl schon längst als irrational widerlegt, immer noch entscheidend weltpolitische und gesellschaftliche Realitäten bestimmt.
Anmerkungen
* Fanon, Frantz (1967). The Wretched Of The Earth.Penguin Books. München.
(französisches Original 1961)
** Mehr Infos zur kenianisch-deutschen Bildungskooperation: Menüpunkt Aktuelles
Literaturangaben zu Frantz Fanon
Fanon, Frantz (1967). Towards the African Revolution. Grove Press. New York.
(Französisches Orginal: Pour la révolution africaine (1964).Verlag François Maspero. Paris.
Fanon, Frantz (1965). Studies in a Dying Colonialism. Grove Press. New York.
(Französisches Original: L ‚An Cinq, de la Revolution Algerienne (1959).
Fanon, Frantz (1967). Letter to the Youth of Africa.Veröffentlicht in: Towards the Afrikan Revolution.
(Französisches Original 1958): Lettre à la Jeunesse française. Erschienen in der Zeitung El Moudjahid, Organ der algerischen Befreiungsfront (FLN).
Fanon, Frantz (1952). Black Skin, White Masks. Grove Press. New York.
(Französisches Original: Peau noire, masques blancs (1952). Éditions du Seuil. Paris)