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Antikoloniales Lehren und Lernen
Bildungsarbeit updaten!
Afrika ist die Wiege der Menschheit, der Ursprung aller heute lebenden Menschen liegt dort. Anders formuliert: Jeder Mensch hat afrikanische Vorfahren. Dennoch ist das Nichtwissen über die Geschichte, Lebensrealitäten und Kulturen unseres Nachbarkontinentes erschreckend hoch. Der hartnäckige Irrglaube, dass Afrikas Geschichte erst mit der Ankunft der Europäer und dem europäischen Kolonialismus beginnt, ist weitverbreitet und spiegelt sich auch im europäischen Bildungss- und Wissenschaftssystem wieder. Auch noch im 21. Jahrhundert ist der GLaube, dass Afrikanerinnen und Afrikaner keine positiven Beiträge oder Errungenschaften zum Weltgeschehen beigetragen hätten, sehr präsent. Fakt ist: es gibt unzählige unwiderlegbare und untermauerte Beispiele, literarische Zeugnisse, Reiseberichte, wissenschaftliche Studien und Untersuchungen, die das Gegenteil beweisen.
Zäsur in der Geschichtsschreibung
Im Jahr 1954 legte der malische Wissenschaftler Cheikh Anta Diop mit seinen bahnbrechenden interdisziplinären Studien zur vorkolonialen Geschichte des afrikanischen Kontinents die wissenschaftliche Grundlage und Ausgangsbasis für ein neues Geschichtsverständnis. Seine revolutionären Erkenntnisse und innovativen Forschungsmethoden gaben den Anstoß zu einer radiakalen Revision der afrikanischen Geschichte und der Geschichte Europas: nicht Europa ist die Wiege der menschlichen Kultur, sondern Afrika, wo auch das Denken entstand. Damit löste Diop in der kolonialrassistisch geprägten Geschichtswissenschaft einen Eklat und gewaltigen Shitstorm aus. Bezeichnend ist, dass der geniale und vielseitige Wissenschaftler bis heute in den meisten führenden Handbüchern und wissenschaftlichen Studien zur Geschichte Afrikas entweder nicht erwähnt oder als einseitiger, ideologisch voreingenommener Wissenschaftler abgelehnt wird.
Why Cheikh Anta Diop Still Disturbs History Today (15:20 Min.)
Cheik Anta Diops Revision und Neubewertung der afrikanischen Geschichte war für antikoloniale afrikanische Befreiungsbewegungen und Intellektuelle von unschätzbaren Wert: „Aus seiner Interpretation der afrikanischen Geschichte konnte er eine neue, eigene afrikanische Identität, ein wiederhergestelltes kulturelles Selbstbewußtsein ableiten, das die eigene Geschichte nicht erst mit der Ankunft der Weißen und in Abhängigkeit von ihnen anfangen läßt, sondern Jahrtausende zurückverweist in eine gloriose Vergangenheit, die zu Recht mit Stolz und Selbstbewußtsein erfüllt.“*
Eklatante Wissenslücken
Das über die Jahrhunderte angehäufte eklatante Nichtwissen zum afrikanischen Kontinent wirft nicht nur die Frage nach dem kognitiven Vermögen und der Lernbereitschaft europäischer Politik, Gesellschaften und Wissenschaften auf, sondern verdeutlichen die ungeheure Ignoranz und ungebrochene Arroganz des heutigen Europas im Umgang mit seiner 600-jährigen kolonialrassistischen Vergangenheit. Eine neue Sicht auf die enorm vielfältige Geschichte von Afrikanerinnen und Afrikaner ist längst überfällig. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das ehemalige westafrikanische Großreich Benin.
Shocking History of Ancient Benin, Africa | What Europe did (8:26 Min.)
*Zitat
Harding, L., Reinwald B. (Hg.) (1990). Afrika – Mutter und Modell der europäischen Zivilisation? Die Rehabilitierung des Schwarzen Kontinents durch Cheikh Anta Diop. Berlin: Reimer Verlag.
Literaturhinweis
Diop, Cheik Anta (2000, Original 1954). Nations nègres et culture. Paris: Presence Africaine